Arbeitswissenschaft
Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit sind zu berücksichtigen, wenn betriebliche Räume, Anlagen und Arbeitsplätze einzurichten sind. Auch Arbeitsabläufe und psychische Bedingungen untersucht die Arbeitswissenschaft.
Das Gebiet der Arbeitswissenschaft umfasst verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, Erkenntnisse und praktische Verfahren, soweit sie der Erkenntnis der menschlichen Arbeit dienen beziehungsweise Mensch und Arbeit in eine optimale Beziehung zueinander zu setzen suchen (Profilmethode).
Teilgebiete
Wichtige Teilgebiete der Arbeitswissenschaft sind:
- die Arbeitspsychologie
- die Arbeitsmedizin
- die Ergonomie
- Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit
- die rechtlich-organisatorischen Rahmenbedingungen
- Fragen der Lohnfindung, der Berufsausbildung sowie der beruflichen Weiterbildung
Leitgedanke und Aufgaben
Die Humanisierung der Arbeit, also alle betrieblichen Maßnahmen, die eine konkrete Verbesserung der Arbeitsbedingungen zur Folge haben, ist Leitgedanke der Arbeitswissenschaft. Diese Aufgabenstellung umfasst drei grundlegende Aspekte:
- Bindeglied und Interaktion zwischen Mensch, Technik und Umwelt,
- individuelle menschliche Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeit,
- zwischenmenschliche Beziehung der durch die Arbeitsorganisation verbundenen und einander zugeordneten Menschen (und somit als Teilbereich gesellschaftlicher Teilhabe).
Umsetzung der Forschungsergebnisse
Konkrete Maßnahmen reichen von der Reduzierung körperlicher Belastungen, etwa durch die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, über den Abbau gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen (Lärm, Stäube, Gase, Strahlungen etc.) und die Umgestaltung der Arbeitsorganisation bis hin zur Veränderung von psychischen Bedingungen (zum Beispiel durch entsprechenden Führungsstil, die Bewältigung von Gruppenkonflikten, Ausbau der Selbstverantwortung etc.).
Pflicht zur Berücksichtigung der Erkenntnisse
Bei der Planung und Einrichtung der Betriebsräume, der technischen Anlagen, der Arbeitsplätze und des Arbeitsablaufs haben Arbeitgeber und Betriebs- oder Personalräte die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu berücksichtigen (§§ 90–91 BetrVG).
Durch das Betriebsrätemodernisierungsgesetz wurde § 90 Absatz 1 Nr. 3 BetrVG explizit erweitert. Der Arbeitgeber muss den Betriebsrat nun auch bei der Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen unterrichten, „einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz“. Bedeutung für die Arbeitswissenschaft: Da die Einführung von KI-Systemen (zum Beispiel algorithmisches Management, automatisierte Schichtplanung oder KI-gestützte Assistenzsysteme) die psychischen Belastungen und Arbeitsabläufe massiv verändert, ist dies heute eines der Kerngebiete der modernen Arbeitswissenschaft.
Dies gilt – auch ohne ausdrückliche Nennung der Arbeitswissenschaften im SGB IX – in gleicher Weise für die Gestaltung der Arbeitsplätze von Menschen mit Schwerbehinderung (§ 164 Absatz 4, § 167 SGB IX).
Stand: 22.05.2026