Hörbehinderung

Hörbehinderungen sind alle Arten von Beeinträchtigungen des menschlichen auditiven Systems. Sie können angeboren sein oder sie werden erst im späteren Verlauf des Lebens in unterschiedlichen Graden erworben.

Der Begriff Hörbehinderung umschreibt alle Arten von Beeinträchtigungen des auditiven Systems. Zur Gruppe der Menschen mit Hörbehinderung zählen vor allem gehörlose, (spät)ertaubte und schwerhörige Menschen.

Gehörlosigkeit

Als gehörlos oder auch taub werden diejenigen Menschen bezeichnet, die infolge einer extremen Schädigung des Gehörs von Geburt an unfähig sind, etwas zu hören, oder vor dem Erwerb der Lautsprache (prälingual) ertauben. Diese Menschen können die Lautsprache nicht auf akustischem Weg erlernen und selbst bei bestmöglicher Versorgung mit Hörsystemen keine oder nur begrenzte Höreindrücke wahrnehmen. Ihre eigene Aussprache können sie nicht über das Gehör kontrollieren. Gehörlose Menschen kommunizieren in Deutscher Gebärdensprache (DGS), in Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) und/​oder unterstützend in schriftlicher Form.

(Spät)Ertaubung

Bei (spät)ertaubten Menschen trat der Hörverlust erst nach dem Spracherwerb ein. Sie konnten echte Höreindrücke sammeln und können so auch nach der Ertaubung die Verknüpfungen zu Worten, Geräuschen oder ähnlichem herstellen. Je älter die Betroffenen bei Eintritt der Ertaubung sind, desto stärker ist in der Regel die lautsprachliche Orientierung. Unterstützend kann der Einsatz von Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) und/​oder Schriftdolmetschenden sein.

Schwerhörigkeit

Weicht die Hörkurve in irgendeiner Form von dem Normalbereich ab, liegt eine Schwerhörigkeit vor, die in verschiedene Grade unterteilt wird.

Schwerhörige Menschen besitzen in jedem Fall ein Restgehör, mit dem sie – unterstützt durch individuell angepasste Hörsysteme – Sprache in begrenztem Umfang wahrnehmen können. Allerdings ist das qualitativ andere Hören bei schwerhörigen Menschen oft nicht ausreichend, um das Gegenüber ohne besondere Schwierigkeiten zu verstehen. Je nach Alter bei Eintritt der Schwerhörigkeit und je nach Form und Umfang des Hörverlustes sind Sprechfähigkeit und Gebärdensprache individuell sehr unterschiedlich entwickelt.

Kommunikation

Aufgrund der Beeinträchtigung im Sprachverstehen setzen Menschen mit Hörbehinderung, um Gesprächssituationen kommunikativ effektiv zu gestalten, Hör- und Kommunikationstaktiken ein. Diese Taktiken sollen helfen, besser zu Verstehen und mehr Informationen erfassen zu können. Taktiken können sein:

  • für gute Lichtverhältnisse zu sorgen
  • Positionierung der eigenen und beteiligten Personen im Raum
  • Hintergrundgeräusche reduzieren
  • Gesprächspartner bitten, langsam und deutlich zu sprechen
  • Gesprochenes von den Lippen absehen
  • Deutung der Körpersprache, das heißt Gesichtsausdruck und Körperbewegungen werden in Gesprächen mit einbezogen und interpretiert
  • nicht Verstandenes muss kombiniert werden
  • Gesprochenes wird wiederholt zur Überprüfung des Verständnisses
  • mündliche Instruktionen durch praktisches Zeigen ergänzen lassen

Der Einsatz von Hör- und Kommunikationstaktiken bedarf einer hohen Kombination- und Konzentrationsleistung, um das Gesprochene in seinen Fassetten zu erfassen.

Menschen mit Hörbehinderung im Arbeitsleben

Menschen mit Hörbehinderung besuchen Förderschulen sowie Regelschulen im Gemeinsamen Lernen und können dort alle Arten von Schul- und Bildungsabschlüssen erwerben. Grundsätzlich stehen ihnen nahezu alle Berufsbilder offen.

Zur Teilhabe am Arbeitsleben stehen diverse Maßnahmen zur hörbehinderungsspezifischen Ausstattung des Arbeitsplatzes zur Verfügung. Ergänzend dazu ist es besonders wichtig, das betriebliche Umfeld über die Auswirkungen der Hörbehinderung und die individuelle Kommunikationssituation zu informieren. Unterstützen bei der Entwicklung innerbetrieblicher Kommunikationswege können die Schwerbehindertenvertretung und der Integrationsfachdienst.

Gute Voraussetzungen für eine gelingende Kommunikation im Beruf sind:

  • verlässliche Informationsabläufe
  • Beachtung der Kommunikationsregeln
  • gleichberechtigte Möglichkeit der Fortbildung/​Qualifizierung unter individuell passenden Bedingungen
  • Ausstattung mit technische Arbeitshilfen für Menschen mit Hörbehinderung und/​oder Arbeitsassistenz

Beratung und Begleitung am Arbeitsplatz

Für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben bieten die Integrationsämter mit ihrem Technischen Beratungsdienst und der von ihnen beauftragten Integrationsfachdiensten ein breites Beratungs- und Informationsangebot an. Arbeitnehmende mit Hörbehinderung sowie ihre Vorgesetzten werden umfassend in allen Fragen beraten, die im Betrieb und am Arbeitsplatz auftreten, von Fragen der Verständigung, über berufliche Weiterbildung bis hin zur Planung gezielter kommunikationsfördernder Maßnahmen.

Arbeitsassistenz

Ein wichtiger Teil der Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Hörbehinderung im Arbeitsleben ist der Einsatz von Arbeitsassistenz in Form von Gebärdensprachdolmetschenden oder Schriftdolmetschenden. Sie werden als kommunikationssichernde Maßnahme unter anderem für Besprechungen, Seminare, Sicherheitsunterweisungen oder Versammlungen eingesetzt. Darüber hinaus können Telefondolmetschdienste, wie zum Beispiel TESS oder Telesign, am Arbeitsplatz eingesetzt werden. Die Kosten dafür können von den Integrationsämtern übernommen werden.

Technische Arbeitshilfen

Der Technische Beratungsdienst des Integrationsamtes und der Integrationsfachdienst beraten umfassend über die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel:

  • Telefonlösungen
  • Alarmierungsanlagen, wie Licht- und Vibrationssignalanlagen
  • Mobilfunkgeräte zur Kommunikation per E-Mail, SMS und anderen Messaging-Diensten
  • Konferenztechnik
  • optische und/​oder vibrotaktile Signale an Maschinen, Schall- und Lärmschutz
  • Spracherkennungssoftware

Stand: 30.9.2022

 

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