Logo Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber

Lotsen für Inklusion

Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber, kurz EAA, sollen die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen für Betriebe vereinfachen. Sie sind nun an den Start gegangen.

Oft scheitert die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen nicht am Willen von Arbeitgeberinnen oder Arbeitgebern. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben häufig einfach keine Erfahrungen mit diesem Thema sammeln können. Bei manchen herrschen Vorurteile. Einige kennen die Förder- und Unterstützungsleistungen nicht, andere wissen nichts von Beratungs- und Informationsangeboten, die ihnen zur Verfügung stehen. Die Einrichtung der Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber ist  deshalb im vergangenen Jahr entschieden und seit Anfang dieses Jahres umgesetzt worden, um eben jene Unternehmen zu unterstützen. „Die EAA sind für uns ein wichtiger weiterer Schritt in Richtung der Unternehmen in Deutschland“, betont Christoph Beyer, BIH-Vorsitzender und Leiter des LVR-Inklusionsamtes in Köln.

Gut erreichbar

Die neuen Kontaktstellen übernehmen eine wichtige Lotsenfunktion und sind überwiegend bei den Integrationsfachdiensten (IFD) angesiedelt. „Die IFD sind sehr gut vernetzt und deshalb ein optimaler erster Ansprechpartner für Unternehmen“, erklärt Klaus-Peter Rohde, der den Arbeitsausschuss für Integrationsfachdienste bei der BIH leitet. In manchen Bundesländern nehmen die Kammerberater eine führende Rolle ein. Durch die dezentrale Organisation sind die EAA immer gut erreich- und ansprechbar und kennen die Besonderheiten der jeweiligen Regionen. Um Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber über Beschäftigungs- und Fördermöglichkeiten zu informieren, gehen die EAA auch proaktiv auf die Unternehmen zu. Das kann über Infoveranstaltungen, durch die verschiedenen Kammern, aber auch durch direkte Ansprache passieren.

Bewährtes und Neues

Vielfach greifen die EAA auf bestehende Netzwerke und Strukturen zurück, denn die Förderlandschaft in Deutschland ist sehr gut ausgebaut, aber auch komplex. Ein wichtiger Punkt, der in den nächsten Monaten ansteht, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Denn nur wenn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber um die Beratungsmöglichkeit wissen, können sie sie auch nutzen und nur so entstehen am Ende mehr inklusive Arbeitsplätze.

Foto Heike Horn-Pittroff
Foto Heike Horn-Pittroff

Unbürokratische Unterstützung

Drei Fragen an Heike Horn-Pittroff, Leiterin des Integrationsamtes in Sachsen

Frau Horn-Pittroff, warum wurden die Einheitlichen Ansprechstellen eingerichtet?

Die Unterstützungsmöglichkeiten, die Menschen mit Behinderung in Deutschland erhalten können, sind sehr vielfältig. Die Förderlandschaft umfasst verschiedene Träger mit unterschiedlichen Portfolios, zum Beispiel die Rentenversicherungsträger, die Agentur für Arbeit oder eben die Integrationsämter. Für Unternehmer, die nicht täglich mit diesen Förderwegen zu tun haben, gestaltet sich dieser Prozess unübersichtlich.

Und die neuen Einheitlichen Ansprechstellen sollen hier ansetzen?

Ja, genau. Die Einheitlichen Ansprechstellen können nicht alles wissen, aber sie wissen, wer es wissen kann. Das heißt, sie erfüllen eine Lotsenfunktion, um die Arbeitgeber schnell und unkompliziert dorthin zu führen, wo die jeweiligen Unterstützungs- und Förderangebote verortet sind. Sie unterstützen den Arbeitgeber auch bei der Beantragung von Leistungen.

Was steht denn bei den Beratungsstellen besonders im Fokus?

Das ist ganz klar das Knowhow: Die Beraterinnen und Berater kennen sich sehr gut mit der Förderlandschaft aus und können somit passgenau den richtigen Ansprech­partner für das Anliegen vermitteln. Aber auch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Baustein: Nur wenn Betriebe wissen, dass es diese Ansprech­stellen gibt, können sie diese auch in Anspruch nehmen. Gleichzeitig müssen leider immer noch bestehende  Vorurteile gegenüber der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen abgebaut werden. Wichtig ist außerdem, dass ein gutes Inklusionsnetzwerk aufgebaut wird, damit Betrieben schnelle und unbürokratische Unterstützung ermöglicht werden kann.

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