Zwei Männer sitzen nebeneinander am Schreibtisch und arbeiten am Computer.

Hilfreich für inklusives Arbeiten

Seit 2013 beschäftigt die Firma SAP gezielt Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Das Programm „Autism @ Work“ ging weltweit durch die Medien, nun wurde der Abschlussbericht vorgelegt.

Firmenlogo mit Grafik eines Vogels.
Firmenlogo mit Grafik eines Vogels.

Die Medienresonanz war riesig, als SAP 2013 ankündigte, dass längerfristig ein Prozent der Mitarbeitenden aus dem Autismus-Spektrum kommen sollten. Heute, acht Jahre später, ist klar, dass diese Zahl so schnell nicht zu erreichen sein wird. Allerdings wurde durch das Programm „Autism @ Work“ eine gute Grundlage gelegt, um Menschen mit Autismus bei SAP nachhaltig und in einem für alle Beteiligten gewinnbringenden Maße zu beschäftigen. Heute arbeiten bei SAP in Walldorf ca. 50 Mitarbeiter mit Autismus, weltweit sind es etwa 200. Dahin war es ein weiter Weg, den viele Beteiligte zusammen gegangen sind.

Hohe Erwartungen

Der bis 2020 zuständige Projektleiter Marco Fien blickt auf das Projekt zurück, das er selbst 3,5 Jahre begleitete. Zu Beginn seien, so Fien, die Erwartungen sehr hoch gewesen. Die Anzahl an Initiativbewerbungen in der ersten Bewerbungsphase sei überwältigend gewesen und das SAP-interne Wissen zu Menschen mit Autismus noch nicht so ausgeprägt. Deshalb habe es in der ersten „Welle“ an Einstellungen auch einigen Anpassungsbedarf gegeben. Berthold Deusch, der beim KVJS-Integrationsamt das Referat „Teilhabe am Arbeitsleben“ leitet, war dann an diesen Anpassungen maßgeblich beteiligt. Er resümiert: „Die Idee, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum hochproduktiv, wie in einem Tunnel, Fehler in Software finden, ist natürlich reizvoll. So einfach war und ist es aber nicht.“ In der Folgezeit wurde das Projekt deshalb gemeinsam neu aufgestellt.

Ein sehr sinnvoller Ansatz.
Bertold Deusch, KVJS
Firmenlogo SAP. Weiße Schrift auf blauen Hintergrund.
Firmenlogo SAP. Weiße Schrift auf blauen Hintergrund.

Realistische Herangehensweise

Neben der Beratung durch das Integrationsamt wurden zwei Stellen beim Integrationsfachdienst in Heidelberg geschaffen. Eine der Mitarbeiterinnen arbeitete vom SAP-Gelände aus, um den Mitarbeitenden und deren Vorgesetzen direkt vor Ort zur Seite zu stehen. Es wurde ein umfangreiches Betreuungsangebot aufgebaut, dass die Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen der Beschäftigten mit Autismus-Spektrum-Störung einbezog. Heute vermitteln Teamtrainings, individuelle Beratungen und Coachings, wie alle Beteiligten mit den individuellen Herausforderungen der Beschäftigten umgehen können – denn bei Autismus ist das Spektrum sehr weit, wie schon der Fachbegriff „Autismus-Spektrum-Störung“ erläutert. Außerdem wurde die Recruiting-Strategie angepasst. Die jeweiligen Abteilungen werden vorher vorbereitet, es werden Kapazitäten geklärt, Vorgesetze und Beschäftigte gecoacht. Wenn der Bedarf und die Bereitschaft aus den Teams heraus formuliert wird, ist die Einarbeitung deutlich einfacher.

Modellcharakter

Finanziert wurde „Autism @ Work“ aus Mitteln der Ausgleichsabgabe, denn das Projekt hat Modellcharakter: SAP-intern werden die Kenntnisse nun auf weitere Beeinträchtigungen übertragen. Außerdem profitieren andere Firmen in Deutschland vom gesammelten Know-how. Die enge Kooperation zwischen öffentlicher Hand und dem Konzern ist deutschlandweit einzigartig und hat deshalb Leuchtturmfunktion. Der Modellcharakter und die Strahlkraft des Projektes sind es auch, was Berthold Deusch als möglicherweise größten Gewinn sieht. Durch die große Medienpräsenz habe das Projekt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und sei, so Deusch „sehr hilfreich für inklusives Arbeiten.“

Schöne Nebeneffekte

Ein besonders Ergebnis des Projektes: Die Mitarbeitenden sind bisher in besonders hoher Zahl bei SAP geblieben. In einer Branche, die vom Fachkräftemangel und vielen schnellen Wechseln geprägt ist, ist das bemerkenswert. Ein weiterer Effekt, den Projektleiter Fien hervorhebt: Mitarbeitende, die schon angestellt waren, outeten sich als Autisten. So konnte für sie das Arbeitsumfeld angenehmer gestaltet werden. Zuvor sei es für sie oft mit viel Anstrengung verbunden gewesen, im Arbeitsalltag zu „funktionieren“. Autism @ Work ist nun ein fester Bestandteil des Recruitings von SAP und kein Projekt mehr. Außerdem werden mittlerweile auch Ausbildung und duales Studium für Menschen aus dem Autismus-Spektrum ermöglicht. Berthold Deusch sieht es rückblickend so: „Die Idee wurde von der Naivität befreit und es ist ein sehr sinnvoller Ansatz entstanden“ – mit Strahlkraft für andere Branchen und Beeinträchtigungen.

Autism@work im Internet

Die Initiative hat eine eigene Homepage, diese finden Sie unter sap.de.

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