Lukas Geser zapft ein Bier an der Theke

„Ohne Lukas wären wir aufgeschmissen!“

Getränke zapfen, Betten machen, Zimmer reinigen, Rasen mähen, in der Spülküche helfen: Lukas Geser ist ein routinierter Profi. Seit zehn Jahren ist der Mitarbeiter mit Down Syndrom beim Hotel Sennerbad angestellt.

Mit Schwung schüttelt Lukas Geser die blütenweiße Bettdecke aus und legt sie sorgfältig zusammen. Der nächste Gast, der das Zimmer im Ravensburger Hotel Sennerbad bezieht, kann sich auf ein perfekt gemachtes Bett freuen. Doch Lukas Geser kann noch mehr: Er packt an, wo eine helfende Hand gebraucht wird. „Kleinere Betriebe haben den Vorteil, dass sie vielfältige Tätigkeiten bieten können“, erklärt Dominik Buck, der heutige Chef des familiengeführten Hotel Sennerbad. Seine Mutter, Seniorchefin Eva-Maria Sonntag-Buck, war es, die Lukas Geser damals eine Chance gab: Erst als Praktikant, dann als Auszubildender und schließlich als Mitarbeiter.

Unterstützt wurden die Hotelchefin und ihr Schützling vom Ravensburger Integrationsfachdienst (IFD Bodensee-Oberschwaben): „Wir sind immer gut beraten worden“, lobt Sonntag-Buck den IFD. Der stand mit Rat und Tat zur Seite, half, die Förderung für den Ausbildungs-, später den Arbeitsplatz von Lukas Greser zunächst bei der Agentur für Arbeit, dann beim Integrationsamt des KVJS zu beantragen. Denn der junge Mann ist motiviert und fleißig, braucht aber doch die Begleitung einer Kollegin oder eines Kollegen bei seiner Tätigkeit. Deshalb gibt es Zuschüsse vom Integrationsamt. Auch heute noch schaut der IFD mindestens zwei Mal im Jahr vorbei. Man bleibt im Gespräch – auch in Zukunft.
 

Praktikant – Auszubildender – Mitarbeiter

Bereits in der Berufsschulstufe der Martinusschule Ravensburg fand der junge Mann bei verschiedenen Praktika heraus: „In der Küche gefällt es mir am besten!“ Seine Mutter sprach daraufhin Eva-Maria Sonntag-Buck auf ein weiteres Praktikum für Lukas an. In seinem letzten Schuljahr machte der junge Mann dann drei Tage in der Woche sein Praktikum im Sennerbad „und kam jedes Mal völlig glücklich nach Hause“, wie sich seine Mutter erinnert. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

„In der Küche gefällt es mir am besten!“
Lukas Geser, Mitarbeiter im Hotel Sennerbad

Der nächste Schritt führte den begeisterten Sportler ins Himmelreich. Also das im Schwarzwald. Dort steht das gleichnamige, als Inklusionsunternehmen geführte Hotel mit Restaurant. Seit 2006 gehört auch die Akademie Himmelreich mit dem Schwerpunkt Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen im Gastgewerbe dazu. Die Idee zum Besuch der Akademie kam von der Sennerbad-Chefin. Wenn Mitarbeit, dann richtig.

An der Akademie machte Lukas Geser zwei Jahre lang seine Helfer-Ausbildung: Jeweils drei Monate Qualifizierung im Himmelreich, drei Monate Praxis im Hotel Sennerbad, seinem zweiten Himmelreich. Ausbildungsmodul für Modul näherte er sich seinem Traumberuf. Unterstützt wurde er bei seiner praktischen Ausbildung im Hotel von einem Jobcoach – einem pensionierten Hotelfachmann. Ein Glücksfall für Lukas Geser.

Ausbildung an der Akademie Himmelreich hieß nicht nur neue Tätigkeiten lernen, sondern auch selbstständig mit dem Zug zwischen Ravensburg und Himmelreich zu pendeln und sich in eine Gastfamilie einfügen, bei der Lukas Geser während der Zeit im Himmelreich wohnte. Es hieß: erwachsen werden.
 

Am Ball bleiben

Zehn Jahre ist das jetzt her. Seither arbeitet Lukas Geser als geschätztes und beliebtes Teammitglied im Sennerbad. Und er bleibt am Ball. Nicht nur am geliebten Fußball, den er regelmäßig mit Leidenschaft trainiert. Der athletische 31-Jährige trainiert auch immer wieder neue berufliche Fähigkeiten. So besitzt Lukas Geser mittlerweile das Zertifikat für die Mitarbeit am Buffet.

Bei einer weiteren Fortbildung lernte der junge Mann die korrekte Reinigung von Nasszellen. „Lukas kann damit ein komplettes Zimmer allein reinigen“, beschreibt Dominik Buck und gibt zu „Ohne Lukas wären wir aufgeschmissen.“ Wo ihm niemand etwas vormacht: „Lukas kann mit Abstand die schönsten Betten machen“, sagt die Seniorchefin anerkennend. Und wie man sich bettet, so liegt man.

Text: Monika Kleusch

Bildergalerie

Hier liegen Sie richtig: Bettenmachen beherrscht Lukas Geser perfekt.

Hier liegen Sie richtig: Bettenmachen beherrscht Lukas Geser perfekt. | © Monika Kleusch

Lukas Geser beim Bettenmachen

© Monika Kleusch

Man kennt sich, man schätzt sich: Hotelleiter Dominik Buck und Lukas Geser.

Man kennt sich, man schätzt sich: Hotelleiter Dominik Buck und Lukas Geser | © Monika Kleusch

Das Hotel Sennerbad

Das Hotel Sennerbad | © Monika Kleusch

Lukas Geser mit einem Glas Bier an der Theke

Prost! Lukas Geser hilft auch oft an der Theke aus. | © Monika Kleusch

Hier liegen Sie richtig: Bettenmachen beherrscht Lukas Geser perfekt. | © Monika Kleusch

© Monika Kleusch

Man kennt sich, man schätzt sich: Hotelleiter Dominik Buck und Lukas Geser | © Monika Kleusch

Das Hotel Sennerbad | © Monika Kleusch

Prost! Lukas Geser hilft auch oft an der Theke aus. | © Monika Kleusch

Weitere Artikel dieser Ausgabe

 

Das könnte Sie auch interessieren


Das Ehepaar Leubner steht vor ihrem Hofschild "Camping auf dem Bauernhof"
Reportage

Ferien auf dem Bauernhof

Vor zwanzig Jahren stand er vor dem Aus. Jetzt kann Wolfgang Leubner seinen Job als Landwirt und Campingplatzwart ausüben – mit seiner Behinderung. Unser Beispiel aus der Oberlausitz zeigt, was möglich ist, wenn man nach individuellen Lösungen sucht.

Foto von Christoph Morstein
Reportage

Ein ganz normaler Jobwechsel

Er ist jung, gut ausgebildet und motiviert: Als Christoph Morstein eine neue berufliche Herausforderung bei Fritsch Elektronik in Achern sucht, müssen erst ein paar Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Und alle packen mit an.

Andrea Winnerl im Flur ihres Büros bei der Fraport AG
Reportage

Aussichtsreiche Perspektiven

Andrea Winnerl arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei der Fraport AG, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Die blinde Frau hat sich im Job immer wieder neue Herausforderungen gesucht und erfolgreich gemeistert.