Gruppenbild der Mitarbeiter des Unternehmens Knoll.

Mit Inklusion zum Erfolg

Ein kleiner Betrieb aus Greifswald zeigt, wie man mit über 50 Prozent Beschäftigten mit Schwerbehinderung erfolgreich sein kann. Das überzeugte auch die Jury des „Inklusionspreis für die Wirtschaft“:
Sie zeichnete die DokuService Knoll GmbH 2021 aus.

Wichtiger Beitrag

Gefreut habe er sich mit seinem ganzen Team. Und gleichzeitig sei er froh gewesen, dass die Internetverbindung nicht zusammengebrochen sei, erzählt Peter Knoll mit einem Augenzwinkern, wenn er sich an die virtuelle Preisverleihung am 12. November erinnert. Die DokuService Knoll GmbH, die er zusammen mit seiner Frau führt, hat einen der vier „Inklusionspreise 2021 für die Wirtschaft“ gewonnen. Im Rahmen der Verleihung lobte der Schirmherr des Preises, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, die Preisträger: Sie zeigen, „dass Menschen mit Behinderungen einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können“, sagte der Bundesminister.

Diesen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten Menschen mit Schwerbehinderung bereits seit Jahrzehnten in Knolls Greifswalder Unternehmen. 17 Beschäftigte arbeiten dort zurzeit mit einem festen Arbeitsvertrag, neun davon mit einer Behinderung. Das entspricht einer Beschäftigtenquote von 53 Prozent. Außergewöhnliche Zahlen, vor allem deshalb, weil die Firma aus Mecklenburg-Vorpommern gar nicht verpflichtet ist, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Das verlangt der Gesetzgeber von Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden. Deshalb hat die DokuService Knoll GmbH auch den Inklusionspreis 2021 in der Kategorie „Nicht beschäftigungspflichtiges Unternehmen“ gewonnen.

Mitarbeiterin der Firma Knoll untersucht weiße Umschläge. Sie steht in einem Lagerraum.
Mitarbeiterin der Firma Knoll untersucht weiße Umschläge. Sie steht in einem Lagerraum.

Über das Unternehmen

Coronakrise gut überstanden

Wenn Peter Knoll beschreiben muss, was sein Unternehmen macht, holt er etwas weiter aus. Das Unternehmen bediene mehrere Sparten, erzählt er. So programmiert die Firma Software für seine Kunden. „Das sind keine freiverkäuflichen Programme, sondern nur für die nachfolgenden Prozesse zu gebrauchen.“ Kunden sind zum Beispiel öffentliche Wasserwerke, Kaufhäuser oder Hotels. Daneben bietet der Diplomingenieur für Landtechnik auch klassische Druckdienstleistungen an. „In der Corona-Krise sind drei Druckereien hier in Greifswald insolvent gegangen“, erzählt er. Auch Knoll hatte in der vergangenen Corona-Krise schwer zu kämpfen, konnte aber eine Insolvenz mithilfe der staatlichen Unterstützung sogar ohne Kurzarbeit abwenden.

Kooperation mit dem BFW überzeugt die Jury

1992 hatte Christine Knoll die Firma gegründet. 2003 trifft Peter Knoll dann einen ehemaligen Kollegen wieder, der auf der Suche nach einem Job war. „Das war ein Stahlbaumeister, der wirklich was konnte“, erzählt Knoll. Dieser ehemalige Kollege kämpfte damals mit einem künstlichen Hüftgelenk und einer Krebserkrankung – und konnte deshalb nicht mehr in seinem alten Job arbeiten. Knoll stellte ihn sofort ein. Damit erhielt er zugleich einen Kontakt zum Berufsförderungswerk, kurz BFW, in Stralsund, die bei der Einarbeitung unterstützen. Seit dieser Zeit arbeiten bei der DokuService Knoll GmbH immer wieder Praktikanten, die eine schwere Erkrankung oder einen Arbeitsunfall hatten und deshalb in ihren erlernten Jobs nicht mehr arbeiten konnten. Oft führt das Praktikum dann zu einer Festanstellung. Der intensive Austausch mit dem BFW in Stralsund war für die Jury auch ein Grund, das Greifswalder Unternehmen mit dem Inklusionspreis 2021 auszuzeichnen. Die DokuService Knoll GmbH zeige vorbildlich, wie selbst kleine Betriebe Inklusion realisieren können – und von der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen profitieren können, sagt Inklusionspreis-Pressesprecherin Astrid Hadem. Die enge, langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der BFW Stralsund sei Vorbild für andere Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen, Menschen mit Behinderung einzustellen, sagt sie.

Richtige Ausbildung muss sein

Der Druckereibetrieb muss, wie jeder andere auch, im Markt bestehen. Auch deshalb achtet der Unternehmenschef darauf, dass seine Mitarbeiter alle eine Ausbildung vorweisen können. So sei einer seiner besten Mitarbeiter gelernter Maler. „Würden Sie einem Maler einen IT-Auftrag geben?“, fragt er etwas provokant. Der Kollege sei längst umgeschult und heute IT-Systemelektroniker von Beruf. Im Laufe der Jahre hat die Greifswalder Firma 15 Mitarbeiter mit Schwerbehinderung beschäftigt. Die Erprobungspraktika, die die BFW Stralsund vermittelt, dauern in der Regel drei bis sechs Monate. Die wichtigste Frage sei: Entspricht die Arbeit den Vorstellungen des Praktikanten und entspricht die Leistung des Bewerbers den Vorstellungen des Arbeitgebers? Wertvolle Hilfe und Unterstützung habe er immer vom Integrationsamt und dem Integrationsfachdienst in Stralsund erhalten: Die Förderung und Beratung durch das mecklenburg-vorpommersche LAGuS (Landesamt für Gesundheit und Soziales) habe es ermöglicht, die Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten und somit die Fachkräfte für das Familienunternehmen im besten Sinne zu sichern.

Ein familiäres Team

Einer seiner Angestellten ist Wolfram Ludwig, der ein Auge bei einem Unfall verloren hat. Auch das zweite Auge des 61-jährigen Informatikers ist nicht zu 100 Prozent sehfähig. „Durch meine Arbeit, die ich genauso gut mache, wie andere auch, stehe ich voll im Leben – das motiviert mich“, sagt Ludwig. „Ein großer Monitor und genügend Pausen erleichtern mir den Arbeitsalltag“. In dem kleinen Unternehmen in Greifswald herrscht ein familiäres Betriebsklima, darauf achten die Knolls. Zusammen begrüßen sie jeden Morgen die Beschäftigten persönlich. Das Vertrauen und die Motivation geben beide Vorgesetzte den Mitarbeitern zurück. Einen Angestellten mit starken Gelenkproblemen hatte Knoll beispielsweise zur Klinik gefahren und auch wieder abgeholt, weil der Fahrdienst nicht immer funktioniert hat. „Das sind die Kleinigkeiten, die das Betriebsklima positiv fördern“, sagt der bescheidene Preisträger.

 

Die weiteren Preisträger 2021

Vier DHL Mitarbeiter stehen in einem Lager. Sie tragen Warnwesten.
Deutsche Post DHL Group

Deutsche Post DHL Group

Die Deutsche Post DHL Group ist Deutschlands größter inklusiver Arbeitgeber. Dem Konzern ist es wichtig ein integrativ-inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen, das die Stärken der Beschäftigten in den Vordergrund stellt.

„Inklusion und Chancengleichheit sind für uns wichtige Erfolgsfaktoren“, erklärt Personalvorstand und Arbeitsdirektor Dr. Thomas Ogilvie. „Wir sind davon überzeugt, dass wir durch die Vielfalt der Perspektiven und Erfahrungen unserer Beschäftigten besser und leistungsstärker sind.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter Deutsche Post DHL (inklusionspreis.de)

Ford Mitarbeiter arbeitet mit dem Kobot Roboter in der Fertigungshalle.
Ford-Werke GmbH

Ford-Werke GmbH

Die meisten Behinderungen treten erst im Laufe des Erwerbslebens auf. Schon 2003 hat Ford als erstes Unternehmen in Europa einen strukturierten Wiedereingliederungsprozess entwickelt – mit dem Ziel, erfahrene Fachkräfte möglichst langfristig weiter zu beschäftigen. „Inklusion hat für uns als Unternehmen nur Vorteile“, so Rene Wolf, Geschäftsführer Fertigung bei Ford-Werke: „In erster Linie halten wir Wissen und Erfahrung im Unternehmen, indem wir entsprechend der individuellen Fähigkeiten Positionen finden, um unsere Beschäftigten wieder einzusetzen.“

Weiter Informationen erhalten Sie unter Ford-Werke (inklusionspreis.de) oder auch im Digitalmagazin Rheinland 3-2021

Junger Bäcker lächelt zu einem Kollegen. Er trägt Berufskleidung und holt Brote aus dem Ofen.
Goldbrötchen

Goldbrötchen Bäckerei Ralf Jahnsmüller

Bei der Goldbrötchen Bäckerei gelingt Inklusion schon seit 15 Jahren: Beschäftigte mit körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen arbeiten hier überall mit. Inhaber Gerd Jahnsmüller hat 2015 nicht nur den Betrieb, sondern auch die inklusive Firmenphilosophie von seinem Vater übernommen und sieht sie als klaren Gewinn: Im Bäckerei-Gewerbe, noch dazu in einer ländlichen Region, sichert er sich mit den Fachkräften einen Wettbewerbsvorteil. „Gerade in handwerklichen Betrieben bleiben viele Arbeitsstellen unbesetzt. Hier hat Inklusion, so wie wir das im Unternehmen praktizieren, großes Potenzial.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter Goldbrötchen Bäckerei (inklusionspreis.de)

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